Gallenblasenkrebs - Gefahr steigt mit dem Gewicht

25.10.2010

Übergewicht ist die Ursache für verschiedenste gesundheitliche Probleme und so auch einer der Hauptrisikofaktoren für Gallenbalsen- und Gallengangkrebs. Zwar machen solche Krebstumore nur zwei Prozent aller Krebsarten des Verdauungstraktes aus, doch zum einen sind sie sehr gefährlich und zum anderen steigt die Zahl der Erkrankungen in Deutschland und zwar mit der Anzahl der Übergewichtigen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 2000 Männer und 4000 Frauen. Die Karzinome entwickeln sich meistens nach dem 60. Lebensjahr. Gallenblasenkrebs betrifft Frauen doppelt so häufig wie Männer, Gallengangkrebs befällt beide Geschlechter gleich häufig. „Übergewicht ist nicht die alleinige Ursache. Aber Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Zunahme mit dem steigenden Übergewicht in der Gesellschaft in Zusammenhang steht“, erklärt Joachim Mössner, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsklinikums Leipzig und Schatzmeister der Mitteldeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (Focus Online). Zahlreiche Studien zeigen, dass die Deutschen kontinuierlich dicker werden und in punkto Fettleibigkeit zu den Spitzenreitern in Europa zählen.

Symptome zeigen sich spät, so dass der Krebs oft erst in einem späten Stadium erkannt wird. Meistens treten erst Probleme auf, wenn der Tumor so groß ist, dass er die Gallengänge zusammendrückt und so die Gallenflüssigkeit staut. Kann die Galle über die Gallengänge nicht mehr aus der Leber abfließen, kommt es zu einer schmerzlosen Gelbsucht, dem häufigsten Symptom eines Tumors der Gallenblase oder des Gallengangs.

Der Gallenstau verhindert die Ausscheidung des Farbstoffs Bilirubin und führt so zu einer Gelbfärbung der Haut und Augen. Gleichzeitig lagern sich die Gallensalze in der Haut ab und verursachen einen extremen Juckreiz. Gallemangel im Darm entfärbt den Stuhl und da die Niere einen Teil des Bilirubins ausscheidet, färbt sich der Urin dunkel. Häufig führt die Behinderung des Gallenflusses zu Infektionen bis hin zu einer Sepsis. Weitere, unspezifische Beschwerden, an denen Krebspatienten im Allgemeinen leiden können, sind Übelkeit, Bauchweh, Erbrechen und Gewichtsverlust.

Die überwiegende Zahl der bösartigen Tumore der Gallenwege und der Gallenblase sind sogenannte Adenokarzinome. Diese betreffen die Drüsenzellen der Schleimhaut.Beim Gallengangkrebs sprechen Ärzte von intrahepatischen (in der Leber gelegen) und extrahepatischen (außerhalb der Leber gelegene) Tumoren. Eine besondere Form des Gallengangkrebses ist der Klatskin-Tumor. Er befindet sich dort, wo die Gallengänge die Leber verlassen und wächst vergleichsweise langsam.

 

Überernährung als wichtigster Risikofaktor

Die Ursachen für Gallenblasen- oder Gallengangkrebs sind noch nicht gänzlich erforscht. Wissenschaftler fanden aber heraus, dass diese Krebsarten gehäuft in Verbindung mit bestimmten Krankheiten auftreten. Ein Zusammenhang besteht zum Beispiel zwischen Gallensteinen und dem Gallenblasenkarzinom. Über 80 Prozent der Menschen mit einem Gallenblasentumor haben Gallenblasensteine. Aber andersherum bekommen nur ein Prozent aller Menschen mit Gallenblasensteinen auch Krebs. Gallengangkrebs dagegen, kann auch bei Menschen ohne Steine in der Gallenblase auftreten.

Nachgewiesen ist, dass chronische Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis) und Gallenwege die Entstehung von Krebs begünstigen. Ist die Gallenblase lange entzündet, vernarben und verkalken die Blasenwände. Aufgrund der weißlichen Färbung und der erhärteten Blasenwände bezeichnen Ärzte diesen Zustand als Porzellangallenblase. Sie gilt als Krebsvorstufe (Praekanzerose). Eine unbehandelte Porzellangallenblase führt in 20 Prozent der Fälle zu einer Krebserkrankung.

 

Auch Entzündungen des Darms sind gefährlich

Zudem zeigen Studien, dass auch Menschen mit einer chronischen Salmonelleninfektion ein erhöhtes Risiko haben, an Gallenblasenkrebs zu erkranken. In Deutschland ist das aber sehr selten der Fall. Etwa bei drei bis fünf Prozent der Patienten, die an einer Salmonelleninfektion leiden, setzt sich der Erreger dauerhaft fest. Die Betroffenen werden zu sogenannten Dauerausscheidern. Genau in diesem Stadium stellten Ärzte einen Zusammenhang zwischen Salmonelleninfektion und Gallenblasenkrebs fest.

Gallengangkrebs trifft zudem häufiger Menschen mit chronischen Darmentzündungen, wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Bei diesen Patienten kommt es in seltenen Fällen zu einer chronischen Entzündung der Gallengänge, die das Risiko an Gallengangkrebs zu erkranken entscheidend erhöht. Zudem sind Patienten mit einem Parasitenbefall durch Leberegel oder Trematoden gefährdet. Und ebenfalls das Rauchen kann dem Gallensystem schaden: Dimethylnitrosamin, ein Stoff, der in Zigarettenrauch enthalten ist, steht mit der Entstehung des Gallengangskarzinoms in Verbindung.

Wissenschaftler sind aber auch der Meinung, dass erbliche Komponenten eine Rolle spielen können. Wie bei allen anderen Krebsarten, kommen auch hier verschiedenen Faktoren zusammen. Fest steht jedoch, dass eine fett- und kohlenhydrathaltige Ernährung und Übergewicht sowohl Gallensteine als auch eine chronische Gallenblasenentzündung mit Porzellangallenblase begünstigen. Dementsprechend zählt Übergewicht eindeutig zu den Hauptrisikofaktoren.

 

Diagnose oft ein Zufallsbefund

Ist die Gallenblase durch den Tumor stark vergrößert, kann der Arzt sie bei einer körperlichen Untersuchung unter dem rechten Rippenbogen seines Patienten ertasten (Courvoisier-Zeichen). Eine Blutuntersuchung zeigt, ob die Leberwerte im Blut erhöht sind. Doch die Gewissheit allein, bringt noch keine Heilung. Weniger als fünf Prozent der Kranken leben nach der Diagnose noch länger als ein Jahr.

Mediziner wenden für die erste Untersuchung meist eine Kombination aus Endoskopie und Röntgenuntersuchungen an. Für die sogenannte endoskopisch retrograde Colangiopankreatikographie (ERCP) führt der Arzt ein Endoskop mit Seitblickoptik in den Zwölffingerdarm des Patienten ein. Er sondiert die Mündung zum Gallengang und injiziert von dort aus Kontrastmittel in die Gallengänge. Gleichzeitig macht er mehrere Röntgenaufnahmen, um mögliche Geschwülste zu erkennen. Mit dem Endoskop wird dann eine Gewebeprobe entnommen und später vom Pathologen unter dem Mikroskop auf Krebszellen hin untersucht.

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Den vollständigen Artikel der Autorin Kirstin Macher finden Sie auf Focus Online unter diesem Link.