Tipps zum Heilfasten

10.03.2011

Zwar könnten gesunde Menschen zwischen etwa 14 und 65 Jahren eine Fastenkur in Eigenregie durchführen – nach gründlicher Vorbereitungszeit. Grundsätzlich empfehlen aber die Heilfasten-Experten eine Betreuung während der Fastenkur. Dafür kommen Ärzte oder speziell ausgebildete Fastenbetreuer in Frage.

Wer für sich allein fasten möchte, sollte sich eine ruhige Zeit dafür suchen und die Fastenkur gut vorbereiten. Direkt vorher sollte man ein bis zwei Entlastungstage einlegen, an denen man auf Fleisch verzichtet. Der Speisenplan am zweiten Entlastungstag besteht dann nur aus Obst, Reis oder Rohkost. Wichtig: Die letzte feste Nahrung darf kein tierisches Eiweiß (Fleisch, Wurst, Käse, Eier) enthalten.

Die Phase ohne feste Nahrung sollte mindestens zehn Tage dauern, um gefährliche Rückvergiftungen zu vermeiden. Die Entgiftungstendenzen beginnen etwa mit dem vierten Fastentag. Ab dem siebten Tag scheidet der Körper große Mengen Gift (z. B. eingelagerte Schwermetalle) aus. Nach dem zehnten Tag darf der Fastende wieder mit dem Aufbau beginnen.

Fasten-Plan

Der erste Fastentag beginnt meist mit einer Darmreinigung. Entweder per Einlauf oder durch Glaubersalz. Dafür löst man 40 Gramm Glaubersalz in einem halben bis 3/4 Liter Wasser auf und trinkt die Flüssigkeit Schluck für Schluck. Für den Abführtag sollte man sich Ruhe gönnen und in der Nähe der Toilette bleiben.
Empfohlene Trinkmenge pro Tag nach der Buchinger-Methode: mindestens zwei Liter Wasser, außerdem ein Viertelliter Saft oder Kräutertee. Mittags Gemüsebrühe ohne Einlage.
Andere Fastenkuren erlauben noch Molke, Milch, Semmeln und Obst. Bei allen Varianten des Fastens sollte man für ausreichend Entspannung, Bewegung und Muße sorgen.

Der Aufbau leitet das Ende der Fastenkur ein. Der Körper muss sich langsam wieder an feste Nahrungsaufnahme gewöhnen. Das könnte am ersten Aufbautag ein geriebener Apfel oder püriertes Gemüse sein. Wichtig: sehr langsam kauen. Peu à peu darf dann täglich ein neues Nahrungsmittel hinzukommen. Geeignet sind dafür Gemüse, Obst, Joghurt und Getreideprodukte. Wer die Aufbauphase missachtet und nach dem Fasten direkt wieder „gut zulangt“, schadet nicht nur seinem Körper, sondern auch der Figur. Die Pfunde sind dann schneller wieder drauf, als sie verschwanden.

 

Verschiedene Fasten-Programm

Hildegard von Bingen 

Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) ist als „erste deutsche Natur-Ärztin“ in die Geschichte eingegangen. Beim Fasten ging es der berühmten Nonne nicht ausschließlich darum, den Körper zu entgiften und überflüssige Pfunde abzubauen. Vielmehr hielt sie das Fasten für besonders wertvoll, weil es dem Menschen „den Kontakt zu seiner Seele“ erleichtere. Durch das Fasten richte sich die Konzentration automatisch nach innen und biete dem Menschen eine Chance zur Wandlung und Neuorientierung.
Hildegard von Bingens Speiseplan: Fasten mit gekochtem Dinkelschrot und gedünsteten Äpfeln bis zu 800 kcal am Tag.

Fasten nach Otto Buchinger

Im Jahr 1935 entdeckte Otto Buchinger (1878 bis 1966) die Methode des Heilfastens. Nach einer krankheitsbedingten Fastenzeit erlebte er selbst, wie sich sein Gesundheitszustand verbesserte. Heilfasten nach Buchinger ist eine niederkalorische Trink-Kur von etwa zehn bis max. 40 Tagen. Die „Körper- und Psychohygiene“ soll den Körper von angesammelten Schadstoffen befreien, den Verdauungstrakt entlasten, die Blutgefäße und Gelenke von schädlichen Ablagerungen reinigen. Fasten soll die körpereigenen Selbstheilungsprozesse stabilisieren und die Sinne sensibilisieren. Ziel der Kur nach Buchinger ist nicht, die überflüssigen Körperreserven, also die Fettpolster, sinnvoll zu „verbrennen“. Vielmehr soll sich der Körper in eine Art „Müllverbrennungsanlage“ verwandeln, die nicht nur die lästigen Pfunde, sondern auch seelischen Müll entsorgt.

Viele Fastenanhänger suchen die Gesellschaft Gleichgesinnter und schließen sich einem Kurprogramm in einer Fastenklinik an. Der Buchinger-Speiseplan bietet ausschließlich flüssige Nahrung: Tee, frisch zubereitete Gemüsebrühen, frisch gepresste Gemüse- und Obstsäfte und (Quell-)Wasser. Maximale Kalorienzufuhr täglich: 250 bis 500 kcal. Empfohlene Flüssigkeitsmenge: zweieinhalb bis drei Liter.

Laut Otto Buchinger und seinen Nachfahren muss das Heilfasten die „drei Dimensionen des Menschen“ berücksichtigen: die medizinische, die psychosoziale, die spirituelle. Diese drei Dimensionen wirkten zusammen und dürfen nicht getrennt werden. Ferner betonte Otto Buchinger die Bedeutung der „Diätik der Seele“ im Fasten. Gemeint sind: das Lesen, die Musik, die bildende Kunst, die Natur, die Meditation und – der Humor! Den brauche man während der Hungerzeit sowieso dringend, so die Kontrahenten des Heilfastens.

Franz Xaver Mayr

Der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr (1875 bis 1965) begründete die nach ihm benannte Kur, die sich auf drei Säulen stützt: Schonung, Säuberung, Schulung. Das Ziel ist eine alltagstaugliche gesunde Ernährungs- und Lebensweise. Die erste Säule zielt auf Entlastung und Regeneration des gesamten Organismus durch Intensiv-Diät und kurbegleitende Maßnamen. Schonung bedeutet nicht nur Diät, sondern auch „psycho-vegetative Entspannung“: ausreichend Schlaf, zwischenzeitlich Erholungsphasen und Wärmeanwendungen, aber auch Bewegung in frischer Luft, Gymnastik, Yoga etc. Die Säuberung als zweite Säule dient der Reinigung, Entschlackung und Entsäuerung.

Besonders wichtig ist die regelmäßig durchgeführte Bauchmassage, die unter anderem der Aktivierung der Bauchspeicheldrüse und der Vertiefung der Atmung dient. Säuberung bedeutet aber auch „Psychohygiene“ im Sinne von „Abwerfen seelischen Mülls“. Das Ess- und Kautraining, die dritte Säule der Kur, aktiviert und stärkt die Speichel- und Verdauungsdrüsen. Semmeln und frische Milch sind die Helfer dieser Variante des Fastens.

Johann Schroth

Die Kur nach dem Naturheilkundigen Johann Schroth (1798 – 1856) will durch Entschlacken und Entgiften körperliche Beschwerden und ihre Ursachen beseitigen. Die drei Ebenen der Schrothkur sind: Schroth’sche Kurpackungen, abwechselnde Trink- und Trockentage, Schroth-Diät. Frühmorgens wickeln speziell ausgebildete Kurpacker den Körper in kalte, feuchte Laken und decken ihn mit trockenen, warmen Packbetten zu. Die Wirkung: die Temperaturerhöhung von ca. zwei Grad soll den Stoffwechsel anregen, zur Entschlackung und Entgiftung beitragen und eine Gewichtsreduktion bewirken. Abwechselnde Trink- und Trockentage bringen eine allgemeine Umstimmung des Organismus in Gang.

Beliebtheitsbonus der Schrothkur: Zweimal wöchentlich verordnet der Arzt einen halben Liter Wein. Dieser soll Herz und Kreislauf anregen und die Atmung vertiefen. Die Schroth’sche Diät ist fettfrei, eiweißarm und salzlos. Durch den vorübergehenden Eiweißmangel baut der Organismus die Eiweißreserven ab. Der totale Verzicht auf Fette stärkt zusätzlich die Gefäße. Der Entzug und die starke Ausschwemmung von Kochsalz soll Risiken wie Ödeme, Bluthochdruck und Übergewicht mindern.

Molkekur

Die Molke-Trinkkur ist eine Heilfastenkur, mit Eiweißzufuhr. Es gibt 1 Liter Kurmolke auf den Tag verteilt sowie 3 Liter Kräutertee, stilles Wasser und mittags Gemüsebrühe. Säfte können die Kur ergänzen.

Früchtefasten

Bei dieser Fastenform sind bis zu 1000 Kalorien pro Tag erlaubt. Das Früchtefasten eignet sich zum Entschlacken als längere Fastenform oder in Form von Schalttagen, z. B. einmal pro Woche. Die Nahrung besteht an diesen Tagen aus zwei bis drei Pfund Obst, dazu Kräutertee und Wasser.

 

Quelle: http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/abnehmen/heilfasten/heilfasten_aid_12208.html / Autorin: Renja Lüer