Leistenbruch-OP ohne Narben

21.07.2011

Bei Ihnen wurde ein Leistenbruch diagnostiziert? Auf dieser Seite finden Sie allgemeine Informationen zu diesem Thema aber auch zu neuesten Operationstechniken, sowie eine Liste an Krankenhäusern und Ärzten, die diese anwenden.

Was ist ein Leistenbruch?

Als Leistenbruch - in der Fachsprache Hernia inguinalis oder vereinfachend Hernie genannt – wird das Auftreten einer Schwachstelle in der vorderen Bauchwand bezeichnet, diese also einer Belastung nicht mehr standhält. An dieser Schwachstelle der Bauchwand in der Leistengegend entsteht ein Loch im Bindegewebe, durch das sich Fett- und Darmanteile hindurchzwängen können. So kann sich eine sicht- und tatsbare Vorstülpung bilden. Häufig bemerken Betroffene erst durch diese Beule den Bruch, da er generell nicht schmerzhaft ist. Schmerzen entstehen in der Regel nur dann wenn Nerven oder Darmanteile eingeklemmt sind.

Formen des Leistenbruchs

Der indirekte Leistenbruch kommt häufiger (60 - 70 %) und vor allem bei Kindern vor. Meist ist er angeboren. Hierbei tritt der Bruchinhalt entlang des Samenstrangs oder Mutterbandes aus.

Der direkte Leistenbruch (30 - 40 %) tritt bei Erwachsenen und verstärkt bei Männern auf. Dieser kann z.B. durch schweres Tragen, starken Husten oder beim Pressen während des Stuhlgangs hervorgerufen werden. Der Bruchinhalt tritt hier direkt durch die geschwächte Bauchmuskulatur an der Hinterwand des Leistenkanals aus.

Ist eine OP notwendig?

Eindeutig ja, ein solcher Bruch heilt niemals von allein. Im Gegenteil, er vergrößert sich und kann so ggf. eine Darmschlinge einklemmen. Das wiederum kann schlimmstenfalls zum Darmverschluss oder einer Bauchfellentzündung führen.

Veraltete Verfahren wie das Anlegen eines Stützkorsetts oder Bruchbandes haben sich als nicht sinnvoll erwiesen. Operationen hingegen bergen dank neuer Techniken kaum Risiken und zählen mit etwa 200.000 jährlich zu den häufigsten Indikationen in Deutschland.

Operationsmethoden

Alle Operationsmethoden verfolgen das Ziel, die Bruchstelle zu schließen und die Bauchwand hinter dem Leistenkanal zu verstärken. Dem Operateur stehen offene Verfahren oder sogenannte minimal-invasive Verfahren zur Verfügung.

Traditionelle offene Verfahren

Bei der offenen Operation wird je nach Methode ein vier bis zehn cm langer Schnitt im Bereich der Leiste angesetzt, um an die Bruchstelle zu gelangen und diese zu verschließen. Um die Bauchwand hinter dem Leistenkanal zu verstärken, stehen dem Chirurgen dann verschiedene Techniken zur Verfügung z.B. das Vernähen der Bauchmuskeln mit dem Leistenband oder das eines Kunststoffnetzes mit der Muskulatur.

Schonende minimal-invasive Verfahren

Hierzu zählen die  laparoskopischen Techniken ("Schlüssellochchirurgie"). Diese kann der Chirurg grundsätzlich bei allen Leistenbrüchen einsetzen. Diese minimal-invasive Technik ist heute weitverbreitet und zu empfehlen. Hierbei wird die Öffnung im Gewebe mit einem gut verträglichen, flexiblen Netz verschlossen. Im Gegensatz zum früheren Nahtverfahren entstehen so keine schmerzenden Spannungen.

Im Gegensatz zur klassischen, offenen Technik wird hier auf einen langen Hautschnitt verzichtet. Durch eine minimale Öffnung wird das zusammengerollte Netz über dünne Führungshülsen eingeführt, ausgebreitet und befestigt.

Nach der OP

Da bei der minimal-invasiven Technik das Muskelgewebe nicht geschnitten, sondern nur verdrängt wird, sind die post-operativen Schmerzen gering. Es ist kein langer Krankenhausaufenthalt nötig - häufig nur eine Nacht - und der Patient ist bereits nach wenigen Tagen wieder voll leistungsfähig. Zudem sind dank einer minimalen Inzision von wenigen mm keine kosmetisch relevanten Narben sichtbar.

OP ohne Narben - MILS (Minimal Incision Laparoscopic Surgery)

Auch bei der minimal-invasiven OP-Technik gibt es Unterschiede: Dank neu entwickelter Instrumente mit einem Durchmesser von nur 2,9 mm trägt der Patient nicht nur keine kosmetisch relevanten Narben davon, sondern vor allem erheblich geringer ausfallende postoperative Schmerzen, sowie eine schnellere Genesung und Belastbarkeit als bei anderen OP-Techniken.

Die sogenannte TAPP-Technik (transabdominale präperitoneale Netzimplantation) wird endoskopisch (häufig auch als Schlüssellochtechnik oder minimal invasive Hernienreparation bezeichnet) vorgenommen. Es werden drei kleine Schnitte gesetzt. Ein Schnitt direkt im Bereich der Nabelgrube von etwa 1 cm Größe. Die Bauchhöhle wird mittels Kohlendioxid aufgefüllt, sodass sich die Bauchdecke, mit Hilfe des sogenannten „Kuppelphänomens“, von den Innereien abhebt. Anschließend wird eine Kamera in die Bauchhöhle eingeführt und dann zwei weitere, wenige Millimeter kleine, Schnitte im Bereich rechts und links des Nabels gesetzt, um Trokarröhrchen einzuführen über die wiederum die notwenigen Instrumente eingeführt werden. Mit Hilfe dieser Schnitte und der Kamera lässt sich nun der Bruch von innen operieren. Zwischen Bauchfell und unterster Muskelschicht (Leistenkanalhinterwand) wird ein biologisch verträgliches Kunststoffnetz eingelegt, wodurch ein spannungsfreies Stabilisieren des Leistenkanals erreicht wird. Der wesentliche Vorteil bei dieser Versorgung der Leistenhernie besteht im Verschluss bereits des inneren Leistenkanaleingangs.

Werden für diese OP in der Regel 5 mm Instrumente verwandt, stehen nun neu entwickelte 2,9 mm Instrumente zur Verfügung. Die Verletzungen der Haut sind damit nur noch winzig klein und kosmetisch anschließend kaum noch zu erkennen. Doch es fallen nicht nur die ungern gesehenen Narben weg. Die postoperativen Beschwerden werden mit dieser Methode deutlich reduziert, die meisten Patienten sprechen nur noch von einem Gefühl des Muskelkaters, somit fällt auch der postoperative Verbrauch von Schmerzmedikamenten geringer aus.

Zudem lässt sich bei der Verwendung der 2,9 mm Instrumente im Vergleich zu den 5 mm Instrumenten eine deutlich geringere postoperative Nervenirritation nachweisen, wie eine vergleichende Studie von PD Dr. Niebuhr  (veröffentlicht auf dem Chirurgenkongress München 2009) aus Hamburg zeigt. Geringere Nervenirritationen bedeutet dabei ein geringeres Trauma beim Patienten und damit mehr Komfort für ihn.

Kritiker sogenannter Netztechniken, wie auch die Beschriebene eine ist, führten lange Zeit eine Gefahr durch das Einbringen von Kunststoffmaterial (Netz) an. Allerdings sind Bedenken gegenüber der Implantation von Kunststoffnetzen aufgrund aktueller wissenschaftlicher Daten nicht mehr haltbar. Moderne Netze, die heute zur Stabilisierung eines Leisten- oder Bauchdeckenbruchs eingesetzt werden, bestehen aus den selben Materialien wie die für ein Nahtverfahren verwendeten Nähte und diese sind lange erprobt. Im Heilungsverlauf wird das Netzgewebe von Bindegewebszellen fest in die Bauchwand integriert, sodass das Netz sich auch anschließend nicht mehr verschieben kann.

Die Netze der neuesten Generation besitzen eine deutlich über der natürlichen Bauchdeckenstabilität liegende Reißfestigkeit mit annähernd den gleichen Dehnungseigenschaften wie die Bauchdecke.

 

Quelle: http://www.sekkiel.de/uploads/media/PM_St_Elisabeth_Kiel_Hernie.pdf